(Kritiken zum »Hagener Schlosschor«: siehe gleichnamige Rubrik)

Pressestimmen

Chorgesang von der Orgel aus animiert

Rund 300 Besucher füllten die Katharinen-Kirche fast bis zum letzten Platz, als am Abend des vierten Adventssonntags ein weihnachtliches Konzert mit der hiesigen Kantorei angesagt war. Organist Roman Rei­chel vorn an der Truhenorgel leitete den von ihm im Lauf der Jahre all­mäh­lich aufgebauten Evangelischen Kirchenchor Probsteierhagen, der mit seinen 18 Sängern und Sängerinnen traditionelle, heimische wie in­ter­na­tio­nale Weihnachtslieder nach althergebrachter Art in vier­stim­mi­gen, oft von Günther Kirsch stammenden Sätzen, aber auch zusam­men mit den Zu­hö­rern Kanons wie »Jauchzt dem Herrn« oder »Freu dich, Erd und Ster­nen­zelt« sang. Da das eigene Singen vielen Menschen nicht mehr liegt, war das Mitsingen jedoch nicht sehr kräftig. Dagegen gab es Vorbilder in Roman Reichel selber, der den Chorgesang von der Orgel oder dem Piano aus zusätzlich animierte. Aber auch die Kielerin Chris­ti­ne Lange tat sich innerhalb des Chors oder solistisch mit ihrem klaren und festen Sopran­gesang hervor, z.B. mit Eccards altem Marien­lied oder Mozarts »Ave verum.«

Dem Chor lagen in der zweiten Hälfte des 25-teiligen Programms auch neuere, populärer gefasste Stücke wie ein »Star-Carol« von John Rut­ter, ein Gospel Song oder eine Jazz-Motette, wie ein effektvolles »Ju­bi­la­te« von J. Matthias Michel. Er nahm dabei die Stimmung auf, die zu­vor schon Uwe Leuenhagens »Lilienthaler Saxophonquartett« ähnlich wie im letzten Jahr angeschlagen hatte. Sopran-, Alt-, Tenor- und Ba­rit­on­sa­xo­phon glänzten nicht nur mit zumeist selber erstellten Ar­ran­ge­ments von einer Bach-Fuge, mit zupackenden Spirituals, sondern auch mit dem »Anda­lu­si­schen Tango« von Albéniz und mit vermischten Chor- und Quartett­bei­trägen. Einige Soli übernahm Uwe Leuenhagen aus Lilienthal selbst, etwa die ansprechende jazzige Fas­sung von Bach-Gounods »Ave Maria«.

Das Konzert endete mit der biblischen Prophetie eines vitalen afrika­ni­schen Kirchenlieds aus Burkina Faso: »Die Kriege sind eine Warnung, die Hungersnöte sind eine Warnung. Unsere Söhne und Töchter werden selt­sa­me Dinge enthüllen.« Dagegen stand zu allerletzt das bekannte is­ra­e­li­sche Lied »Hevenu shalom alechem: Es komme Frieden auf Er­den«.

Kieler Nachrichten, 24. Dezember 2002


Lichtvolle Energien in Musik verpackt

(...) Das Konzert an der Orgel der Katharinenkirche Probsteierhagen wurde von dem renommierten Niederländer Gijsbert Lekkerkerker ge­stal­tet, einem in aller Welt konzertierenden Organisten und Cem­ba­lis­ten aus Harmelen bei Utrecht, der als Orgeldozent in Den Haag auch die Kunst der Orgelimprovisation vermittelt.

Dies wusste der 54-jährige zum Abschluss seines von nicht wenigen Feriengästen besuchten Konzerts sehr markant und brillant zu demon­strieren anhand einer der vom Publikum vorgeschlagenen Liedthemen, nämlich einer siebenteiligen Improvisation über »Nun ruhen alle Wäl­der«. Dabei wurde aus dem Stegreif die Vielseitigkeit der seit der Früh­zeit der Orgelmusik ausgebildeten musikalischen Formen prägnant durch­ge­spielt, bis hin zu einem romantisch zarten »Andante religioso«, einem populär sich gebenden Tremolo-»Intermezzo« und einem bra­vou­rö­sen triumphalen Finale in orchestral französischer Machart.

Was die Probsteierhagener Orgel an erstaunlichen klanglichen Mög­lich­kei­ten in sich barg, zeigte Lekkerkerker zuvor im Konzertteil mit unter­schied­li­chen Gattungen barocker Orgelmusik, beginnend mit einer mar­tia­lischen »Battaglia« von Joh. Caspar Kerll und zunächst verwei­lend bei dem Am­ster­damer, dem Luthertum gegenüber sehr aufge­schlos­se­nen Calvinisten Jan Pieterszoon Sweelinck, der die Orgelmusik zu ihrer ersten Blütezeit führte und stark auf die Musik deutscher Orga­nisten eingewirkt hatte. Seiner feierlichen vierteiligen Variation »Allein Gott« an der Truhenorgel (mit dem Vogelgesang-Register) folgte wieder an der Hauptorgel auf der Empore die »Echo-Fantasie in a« in stets klarer Mu­sik, die auch dem Sich-vertiefen der Seele Raum gab.

Ein anderes Glanzstück barocker Kunst war Buxtehudes mehrteilige Phan­tasie »Wie schön leuchtet«, die den Inhalt des Chorals wirklich strah­lend zum Ausdruck brachte und die auch den entzückenden Zim­bel­stern der Orgel sinnvoll in den strenggegliederten Ablauf einfügte. Stücke von Zipoli, Joh. L. Krebs und natürlich Sebastian Bach (»Schmü­cke dich« und die beliebte »Toccata d-Moll«) erlaubten wei­ter­hin, sich in die immer makellos und stilistisch erstklassig dar­ge­botene reine Welt lichtvoller Energien zu versenken. Wer mochte, konnte nach dem Konzert in geselliger Runde in der Seitenkapelle der Kirche sich über die Eindrücke dieses Konzerts auch mit dem Orga­nisten aus­tau­schen.

Kieler Nachrichten, 31. Juli 2001


Orgel wie eine Geliebte behandelt

Eigentlich hätte die Probsteierhagener Kirche am Sonntagabend bre­chend voll sein müssen. Das reizvolle Programm mit Tänzen und Toc­ca­ten aus sieben Jahrhunderten und der bekannte Interpret, Dom­or­ga­nist Rainer Selle aus Schleswig, bürgten für einen spannend-vir­tu­osen Abend. Dass dann doch nur die Hälfte der Plätze besetzt war, lag viel­leicht am guten Wetter. Aber wer da war, konnte ein Konzert der Ex­tra­klasse genießen.

Rainer Selle ist ein Meister an der Orgel, und er gesteht im Gespräch seine »heiße Liebe« zu diesem Instrument. »Sie ist die Königin«, sagt er. Ent­deckt hat er sie spät, obwohl er der berühmten, bis ins 17. Jahr­hundert zurückreichenden Musiker-Familie Selle entstammt. Erst mit 15 Jahren erhielt er seinen ersten Klavierunterricht, aber dann ging alles ganz schnell: Studium in Esslingen, A-Kantor in Heidelberg, seit 1997 in Schleswig.

An der Probsteierhagener Orgel spielte er Stücke aus seinem Lieb­lings­pro­gramm »Die Orgel tanzt«, und es erwies sich, dass er das große, behäbige Instrument wirklich wie eine Geliebte behandelt. Unter seinen Händen wird sie temperamentvoll und lässt alle Töne hören, über die sie verfügt – von der graziösen Flöte und der festlichen Trompete über ein ganzes Streichorchester bis hin zum Dudelsack. Selle schöpfte alles aus, und die hervorragende Auswahl der Kompositionen bot ihm dazu auch alle Mög­lich­keiten.

Die um 1330 entstandene, erstaunlich modern klingende »Estampie« aus dem Robertsbridge Codex eröffnete den Reigen. Höhepunkte waren die Tänze aus »Terpsichore« von Praetorius – hier vor allem das vom Pu­bli­kum schmunzelnd aufgenommene »Ballet des Coqs« – und ein wun­der­schönes »Praeludium in C« von Buxtehude, bevor mit Guy Bo­vet und seinen köstlichen Bolero-Variationen »Boléro du divin Mozart« die Mo­der­ne begann. Marian Sawa und Georgi Mushel – Haus­herr Ro­man Reichel hatte sich bei seiner Einführung gefreut, von diesen weit­gehend unbekannten Komponisten zu hören – beschlossen die Zeit­reise.

Mit sehr viel Applaus bedankten sich die begeisterten Zuhörer bei Selle, der auf die Orgel deutete und den ihr gebührenden Teil an sie abgab. Und natürlich mussten beide noch zwei Zugaben spielen – eine Auf­ga­be, der sie sich nur zu gern stellten.

Kieler Nachrichten, 29. August 2000


Ein Erlebnis der Extraklasse

Besucher der Probsteierhagener »Kirchenkonzerte« wissen, dass Or­ga­nist Roman Reichel immer ganz besondere Leckerbissen für sie bereit hält. Hinter dem Titel »Kammermusik« verbarg sich denn auch am Sonn­tag Abend wieder ein musikalisches Erlebnis der Extraklasse. Zu Gast in der St. Katharinen-Kirche waren Dagmar und Matthias Weilen­mann aus Zü­rich, beide Flötisten und beide hervorragende Interpreten »Alter Musik«. Was sie im Zusammenspiel mit Roman Reichel an zwei Cembali und Orgel boten, verdient das Prädikat »außergewöhnlich«.

Von Johann Sebastian Bach und Komponisten seiner Zeit stammten die Stücke die von den Musikern zu erstaunlich frischem Leben erweckt wurden. Nach besinnlichem Auftakt mit Bachs »Triosonate G-Dur« bewies Reichel am Cembalo, dass die Tänze aus den Bachschen »Fran­zösischen Suiten« keinem Verfallsdatum unterworfen sind. Wer bei der schönen, zarten »Sarabande« nicht ins Träumen geriet oder wem’s bei der temperamentvollen »Gigue« nicht in den Beinen zuckte, der musste wahr­lich schon ein Musik-Muffel sein.

Herrlich die Flöten bei der »Sonata III a tre« von Gottfried Keller, der – hätten Sie’s gewusst? – als Sir »Geoffrey« mit volksnahen Stücken in London sein Geld verdiente. Anschließend der Höhepunkt des Abends, »La Folia« von Johann Christian Schickhardt, eine virtuos und mit­rei­ßend geflötete, vom Cembalo rhythmusgebend begleitete Delikatesse. (...)

Das begeisterte Publikum erklatschte sich eine Zugabe und wurde mit einem kleinen, feinen Stück von »Geoffrey« Keller belohnt. Dass unter den Zuhörern so viele junge Leute waren, beweist einmal mehr, wie span­nend E-Musik sein kann – wenn sie denn so »modern« gespielt wird wie bei diesem Konzert.

Kieler Nachrichten, 28. Juli 1998


Freude in der Motette von Bach war greifbar

Auf seiner Tournee durch Schleswig-Holstein machte der Motettenchor Speyer am Sonntag in Probsteierhagen Halt und begeisterte die zahl­rei­chen Zuhörer in der St. Katharinen-Kirche mit einem ausgesuchten Pro­gramm. Durch die Jahrhunderte geistlicher Musik führte Chorleiterin Marie Theres Brand ihre 25 semi-professionellen Sängerinnen und Sän­ger. Der Höhe­punkt: Die Motette »Jesu, meine Freude« von Johann Se­bas­tian Bach, exzellent und stimmlich homogen dargeboten.

Nicht nach solistischer Brillanz suche sie die Chorsänger aus, erklärte Marie Theres Brand nach dem Konzert, sondern nach der stimmlichen Klangfarbe und ihrer Integrierbarkeit in den Klangkörper des Chors. Das ist denn auch das Geheimnis des Erfolgs, denn nie lösen sich So­pran oder Alt aus dem fein aufeinander abgestimmten Zusammenhalt. Leicht und orchestral fügen sich die Bachschen Koloraturen. Die In­ter­pre­ta­tion trumpft nicht auf, sondern folgt der Absicht des Komponisten. Die »Freu­de« in der Motette von Bach war greifbar.

Jede Musik nach ihrer Zeit zu interpretieren, sei das Ziel des Chors, so Marie Theres Brand. Und das ist beim Konzert in der St. Katharinen-Kirche bei allen Stücken hervorragend gelungen. (...)

Roman Reichel, der mit virtuosem Orgelspiel und Cembalobegleitung bei der Bachschen Motette zum Gelingen des Konzertes beitrug, und Marie Theres Brand sind übrigens Studienkollegen. So war der Ab­ste­cher nach Probsteierhagen auch von Wiedersehensfreude geprägt.

Probsteier Herold, 11. August 1995